Zucht beginnt für uns nicht mit einer Verpaarung.
Sie beginnt mit dem Leben mit unseren Hunden.
Unsere Hunde leben mit uns. Nicht neben uns.
Als wir mit dem Thai Ridgeback angefangen haben, hatten wir Vorstellungen davon, wie das Leben mit dieser Rasse aussehen würde.
Heute wissen wir: Vieles davon lernt man erst, wenn man tatsächlich mit diesen Hunden lebt.
Unsere Hunde haben uns begleitet, während sich unser eigenes Leben verändert hat. Sie waren dabei, bevor Kinder da waren, sie haben Familienzuwachs erlebt, Umzüge, Reisen, Arbeit, Alltag und all die kleinen und großen Veränderungen, die zu einem Leben dazugehören.
Und genau so möchten wir Hunde halten.
Nicht angepasst an ein perfektes Bild nach außen, sondern mitten in unserem Leben.
Sie begleiten uns in die Berge, liegen zu Hause auf dem Sofa, sind bei den Kindern, kommen mit zu den Pferden und sind manchmal selbst dort dabei, wo man einen Hund vielleicht nicht unbedingt erwarten würde.
Nicht, weil jeder Hund überall dabei sein muss. Sondern weil unsere Hunde Teil unserer Familie sind.

Ein Hund muss nicht funktionieren. Aber er muss lernen, in unserer Welt zu leben.
Der Thai Ridgeback ist kein Hund, den wir kleinreden möchten.
Er kann eigenständig sein. Er kann sehr klare Vorstellungen davon haben, was er möchte und was nicht. Er kann sensibel, körperlich, schnell, wachsam und ausgesprochen deutlich in seiner Kommunikation sein.
Und natürlich bringt nicht jeder unserer Hunde dieselben Eigenschaften mit. Gerade das haben uns unsere Hunde immer wieder gezeigt.
Was bei einem Hund funktioniert, kann beim nächsten vollkommen anders aussehen. Was der eine problemlos mitmacht, braucht beim anderen Zeit. Und manchmal stellt ein Hund alles infrage, von dem man bis dahin überzeugt war.
Für uns bedeutet Hundeerziehung deshalb nicht, einen Hund in ein fertiges Schema zu pressen. Wir möchten unsere Hunde verstehen.
Aber Verständnis bedeutet für uns nicht, ihnen alles durchgehen zu lassen.
Unsere Hunde dürfen eigene Persönlichkeiten sein, Grenzen haben und Entscheidungen treffen. Gleichzeitig leben sie in einer Welt, in der sie lernen müssen, sich an uns zu orientieren und bestimmte Situationen auszuhalten.
Freiheit und Grenzen schließen sich für uns nicht aus. Im Gegenteil.

Sozialisation bedeutet für uns mehr als möglichst viele Kontakte.
Ein Hund wird für uns nicht automatisch sozial, nur weil er möglichst viele Menschen, Hunde oder Situationen gesehen hat. Entscheidend ist, was er dabei lernt.
Unsere Hunde wachsen deshalb mitten im Alltag auf. Sie lernen unterschiedliche Menschen kennen, leben mit anderen Hunden zusammen, erleben Kinder, andere Tiere, neue Orte, Geräusche und verschiedene Situationen.
Dabei geht es uns nicht darum, dass jeder Hund jeden Menschen lieben oder mit jedem anderen Hund Kontakt haben muss. Das erwarten wir auch nicht.
Ein Hund darf Abstand wollen. Er darf einen Sozialpartner nicht mögen. Er darf kommunizieren und Grenzen setzen.
Was wir möchten, ist ein Hund, der gelernt hat, mit seiner Umwelt umzugehen und sich auch dann an seinem Menschen orientieren kann, wenn eine Situation nicht genau seinen Vorstellungen entspricht.
Unsere Hunde sind unterschiedlich. Sie kommunizieren unterschiedlich, haben unterschiedliche Grenzen und unterschiedliche Vorstellungen davon, wie viel Nähe sie möchten.
Sie müssen nicht ständig miteinander spielen. Sie müssen miteinander leben können.
Und das ist für uns ein großer Unterschied.

Zucht beginnt lange vor einer Verpaarung.
Unsere Zucht besteht nicht daraus, zwei gesundheitlich untersuchte Hunde miteinander zu verpaaren.
Gesundheitsuntersuchungen sind für uns eine Grundlage – aber sie sind nicht die gesamte Entscheidung.
Wir beobachten unsere Hunde über Jahre. Wie entwickeln sie sich körperlich? Wie bewegen sie sich? Wie gehen sie mit Belastung um? Wie reagieren sie auf neue Situationen? Wie verhalten sie sich gegenüber Menschen und anderen Hunden? Wie gut lassen sie sich führen und regulieren?
Und genauso wichtig ist die Frage: Was wissen wir vielleicht noch nicht?
Gerade bei einer Rasse mit einer vergleichsweise kleinen Population und in vielen Bereichen begrenzter Datenlage finden wir es gefährlich, so zu tun, als ließe sich jedes Risiko ausschließen.
Das können wir nicht.
Was wir können, ist hinsehen, dokumentieren, Informationen sammeln und Entscheidungen treffen, auch wenn diese manchmal gegen unsere eigenen Wünsche gehen.
Manchmal bedeutet verantwortungsvolle Zucht deshalb auch, einen Hund nicht einzusetzen, den man sehr gerne in der Zucht gesehen hätte.
Gesundheit endet für uns nicht bei HD, ED und einem DNA-Test.
Röntgenergebnisse und genetische Untersuchungen sind wichtig. Aber ein Hund besteht nicht aus einer Tabelle voller Befunde.
Gesundheit zeigt sich für uns auch darin, wie ein Hund sich über Jahre entwickelt, wie belastbar sein Körper ist und welche gesundheitlichen Auffälligkeiten innerhalb einer Familie oder Linie auftreten.
Deshalb interessieren uns nicht nur unsere eigenen Hunde. Wir möchten wissen, wie sich Geschwister entwickeln. Was aus Nachkommen wird. Welche Auffälligkeiten vielleicht erst Jahre später auftreten. Und auch Dinge, die zunächst unangenehm oder enttäuschend sind, gehören für uns dazu.
Denn nur Informationen, die man kennt und nicht verschweigt, können irgendwann zu besseren Entscheidungen führen.
Wir glauben nicht daran, dass verantwortungsvolle Zucht bedeutet, niemals Probleme zu haben.
Wir glauben daran, dass sie bedeutet, mit Problemen ehrlich umzugehen, wenn sie auftreten.
Wir züchten keine perfekten Hunde.
Den perfekten Hund gibt es nicht. Und auch die perfekte Verpaarung gibt es für uns nicht.
Jeder Hund bringt Stärken und Schwächen mit. Jede Linie bringt Dinge mit, die wir erhalten möchten, und andere, bei denen wir genau hinschauen müssen.
Unser Ziel ist deshalb nicht Perfektion.
Wir möchten gesunde, körperlich stabile Thai Ridgebacks züchten, die ihrer Rasse entsprechen und gleichzeitig in der Welt leben können, in die sie geboren werden.
Hunde mit Persönlichkeit. Hunde, die nicht beliebig sind. Aber Hunde, deren Eigenschaften für ihre Menschen verständlich und handhabbar bleiben.
Dabei möchten wir den Thai Ridgeback nicht zu einer anderen Rasse machen. Seine Eigenständigkeit, seine Sensibilität, seine Wachsamkeit und seine besondere Art, Beziehungen einzugehen, gehören für uns genauso zu ihm wie sein äußeres Erscheinungsbild.

Unsere Welpen sollen nicht einfach irgendwo hinpassen.
Nicht jeder Mensch passt zu einem Thai Ridgeback. Und nicht jeder unserer Welpen passt zu jedem Menschen. Das ist für uns vollkommen in Ordnung.
Bei der Auswahl eines Zuhauses geht es uns deshalb nicht darum, möglichst schnell einen Platz für einen Welpen zu finden.
Wir möchten Menschen kennenlernen. Wir möchten wissen, wie sie leben, was sie von ihrem Hund erwarten und welchen Alltag dieser Hund später haben wird.
Und genauso möchten wir unsere Welpen kennenlernen, bevor wir entscheiden, welcher Hund zu welchem Menschen passt.
Ein Welpe ist kein Produkt, das nach Farbe oder Geschlecht aus einem Katalog ausgesucht wird. Er ist eine Persönlichkeit, die gerade erst beginnt, sichtbar zu werden.
Unsere Verantwortung endet deshalb auch nicht mit dem Auszug.
Wir möchten wissen, wie es unseren Hunden geht. Wir möchten ihre Entwicklung verfolgen, Ansprechpartner bleiben und auch dann erreichbar sein, wenn einmal nicht alles nach Plan läuft.

Wir lernen weiter.
Vielleicht ist das am Ende der wichtigste Teil unserer Philosophie.
Wir glauben nicht, dass man irgendwann alles über Hunde, Zucht oder diese Rasse weiß.
Unsere Hunde haben uns das oft genug bewiesen. Manche haben uns gezeigt, was funktioniert. Andere haben uns sehr deutlich gezeigt, was nicht funktioniert. Und einige haben uns Dinge beigebracht, die wir niemals aus einem Buch hätten lernen können.
Deshalb dürfen sich auch unsere Ansichten verändern.
Wenn neue Erkenntnisse, Erfahrungen oder Daten zeigen, dass etwas anders oder besser gemacht werden kann, möchten wir nicht an einer Meinung festhalten, nur weil wir sie irgendwann einmal vertreten haben.
Zucht bedeutet für uns nicht, irgendwann fertig zu sein.
Es bedeutet, weiter hinzusehen, weiter zu lernen und bereit zu sein, Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu übernehmen.
Denn am Ende stehen hinter Stammbäumen, Untersuchungsergebnissen und Zuchtplänen immer Lebewesen.
Unsere Hunde.
Und genau bei ihnen beginnt für uns alles.
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